{"id":1955,"date":"2015-11-08T15:14:10","date_gmt":"2015-11-08T14:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.european-arachnology.org\/wdp\/?p=1955"},"modified":"2015-11-08T15:14:10","modified_gmt":"2015-11-08T14:14:10","slug":"spider-of-the-year-2008-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=1955","title":{"rendered":"Spider of the year 2008 \u2013 DE"},"content":{"rendered":"<h4>Europ\u00e4ische Spinne des Jahres 2008<\/h4>\n<p>Die Gro\u00dfe Winkelspinne &#8211; <em>Tegenaria atrica<\/em> C.L. Koch 1843<\/p>\n<p><b>Wer kennt sie nicht: gro\u00dfe, dunkle, behaarte Spinnen, die in der Badewanne oder dem Waschbecken auftauchen und vermutlich durch Gr\u00f6\u00dfe und starken Kontrast vor dem kalkwei\u00dfem Hintergrund teils heftige Reaktionen bei Menschen ausl\u00f6sen. Es ist meist die Gro\u00dfe Winkelspinne, eine heimische Art, die weder giftig noch sonst gef\u00e4hrlich ist. Trotzdem ist es der Anblick genau dieser Spinnen, der den meisten Menschen das Verh\u00e4ltnis zu den Achtbeinern gr\u00fcndlich vermiest.<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr das Jahr 2008 ist die Gro\u00dfe Winkelspinne zur Spinne des Jahres gew\u00e4hlt worden. Um Spinnen und die meist unberechtigten Vorurteile vor den Achtbeinern zu thematisieren, h\u00e4tte die Jury keinen besseren Kandidaten ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen. Die Arachnologische Gesellschaft will mit der Aktion aufkl\u00e4ren und Interesse oder zumindest Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Natur um uns herum wecken.<\/p>\n<p>Zum dritten Mal wird die Spinne des Jahres europ\u00e4isch gew\u00e4hlt. Da nicht alle Arten der Gattung <i>Tegenaria<\/i> in jedem europ\u00e4ischen Land vorkommen, wurde eine Neuheit eingef\u00fchrt: die gesamte Gattung wird ein Jahr europaweit in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit gestellt. Dabei sucht sich jedes Land einen repr\u00e4sentativen Lokalvertreter aus. In Deutschland fiel die Wahl auf die wohl h\u00e4ufigste und auff\u00e4lligste Art: <i>Tegenaria atrica<\/i>. W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt hei\u00dft der wissenschaftliche Name: Schwarze Dachspinne. Dass sie zwar schwarz aber keineswegs nur unter dem Dach wohnt, mag der folgende Text veranschaulichen.<\/p>\n<p>Winkelspinnen der Gattung <i>Tegenaria<\/i> bauen deckenartige Netze, die dem Namen gem\u00e4\u00df zumindest in menschlichen Behausungen meistens in den Ecken eines Raumes gebaut werden: dort ist es f\u00fcr die Spinne am einfachsten, ihr Netz zu spannen und ihren trichterf\u00f6rmigen Schlupfwinkel anzulegen. Hierin verbringen die nachtaktiven Spinnen die meiste Zeit regungslos. In der Natur werden Netze unter Steinen, in hohlen Baumst\u00e4mmen oder unter B\u00f6schungen gebaut. Etwa 70 der etwa 130 weltweit vorkommenden <i>Tegenaria<\/i>-Arten sind in Europa heimisch. In Deutschland gibt es 10 verschiedene Arten von Winkelspinnen: Die Mauerwinkelspinne (<i>T. parietina<\/i>) ist noch gr\u00f6\u00dfer als die Gro\u00dfe Winkelspinne, ist aber seltener. Die Hauswinkelspinne (<i>T. domestica<\/i>) ist bedingt durch ihre Lebensweise in H\u00e4usern weltweit verschleppt worden. Die Feldwinkelspinne (<i>T. agrestis<\/i>) lebt ausschlie\u00dflich in nat\u00fcrlichen Habitaten. Zwei Arten (<i>T. saeva<\/i> aus Westeuropa<i>, T. duellica<\/i>aus Gro\u00dfbritannien) sehen der Gro\u00dfen Winkelspinne \u00e4u\u00dferlich zum Verwechseln \u00e4hnlich und k\u00f6nnen nur mit dem Mikroskop unterschieden werden.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfe Winkelspinne (<i>T. atrica<\/i>) kommt in Europa und angrenzenden Gebieten vor und wurde zudem nach Nordamerika verschleppt. Sie kommt nat\u00fcrlicherweise an verschiedenen Stellen vor: in Steinbr\u00fcchen, unter B\u00f6schungen, unter Baumwurzeln. Im Siedlungsbereich der Menschen nimmt sie Ersatzlebensr\u00e4ume dankbar an: Efeu-bewachsene Hausmauern, Gartenh\u00e4uschen, Garagen, nicht zu trockene Keller. Ihren Schlupfwinkel legt sie gesch\u00fctzt und regenfrei an. Das Netz hingegen kann sich weit ausdehnen. Ger\u00e4t ein Insekt oder eine Assel darauf, nimmt die Spinne die Schwingungen wahr, die die Bewegungen auf dem Deckennetz verursachen, und l\u00e4uft blitzschnell zur Beute, bei\u00dft diese und injiziert dabei etwas Gift. Handelt es sich um eine kleinere Beute, wird diese direkt in die Wohnr\u00f6hre hineingezogen. Wehrt sich das Beutetier heftiger, sucht <i>Tegenaria<\/i> nach dem Giftbiss meist ihren Unterschlupf auf, um die Wirkung des Giftes abzuwarten. Nach wiederholten Bissen kann sie meist auch gr\u00f6\u00dfere Beute \u00fcberw\u00e4ltigen und verzehrt diese im Schutze ihres Schlupfwinkels.<\/p>\n<p><i>Tegenaria atrica<\/i> zeichnet sich durch ihre tiefbraune F\u00e4rbung aus, die beim M\u00e4nnchen etwas heller ausgepr\u00e4gt ist. Im Gegensatz zu anderen hausbewohnenden Arten der Gattung (<i>T. domestica, T. ferruginea, T. parietina<\/i>) besitzt <i>T. atrica<\/i> keine geringelten Beine. Individuen der Gro\u00dfen Winkelspinne messen 10 bis 16 mm in der K\u00f6rperl\u00e4nge. Beeindruckender ist die Beinspannweite v.a. bei den langbeinigeren M\u00e4nnchen: bis zu 10 cm \u00fcberzeugen unwissende Menschen nicht unbedingt von der Ungef\u00e4hrlichkeit der Art. Durch Selbstversuche haben Wissenschaftler herausgefunden: sollte eine Winkelspinne mit ihren Mundwerkzeugen durch die menschliche Haut gelangen, so hat das Gift keinerlei Wirkung. Vielmehr ist es lediglich der nadelstichartige Biss, der in diesem Zusammenhang bemerkenswert scheint. Eine Nebenbemerkung sei hier gestattet: auch als Experte braucht man viel Geduld und Geschick, um die Spinnen zum Bei\u00dfen zu bewegen, ohne sie dabei zu verletzen.<\/p>\n<p>Nimmt man eine Spinne z.B. aus der Badewanne sei es mit der Hand oder vorsichtiger mit Glas und Bierdeckel und setzt sie auf freien Fu\u00df, besteht keinerlei Gefahr. Im Gegensatz hat man die Spinne nicht nur vor dem Tode bewahrt, sondern sich auch ein St\u00fcck der heimischen Natur angen\u00e4hert!<\/p>\n<p>Peter J\u00e4ger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europ\u00e4ische Spinne des Jahres 2008<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfe Winkelspinne &#8211; <em>Tegenaria atrica<\/em> C.L. 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