{"id":2903,"date":"2019-01-03T15:02:51","date_gmt":"2019-01-03T14:02:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.european-arachnology.org\/wdp\/?p=2903"},"modified":"2019-01-03T15:02:51","modified_gmt":"2019-01-03T14:02:51","slug":"spider-of-the-year-2019-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=2903","title":{"rendered":"Spider of the year 2019 &#8211; DE"},"content":{"rendered":"<h4>Die Europ\u00e4ische Spinne des Jahres 2019<\/h4>\n<p>Die Ameisenspringspinne \u2013 <em>Myrmarachne formicaria <\/em> (De Geer, 1778)<\/p>\n<p>Die Ameisenspringspinne, <em>Myrmarachne formicaria<\/em> (De Geer, 1778), geh\u00f6rt zur Familie der Springspinnen (Salticidae). Diese Spinnenfamilie z\u00e4hlt weltweit 6.089, und in Europa 345 Arten. Die Gattung <em>Myrmarachne<\/em> ist in Europa mit 3 Arten vertreten, in Mitteleuropa sowie in \u00d6sterreich kommt nur diese eine Art vor.<\/p>\n<p><em>Myrmarachne formicaria<\/em> ist pal\u00e4arktisch verbreitet, wobei sie in ganz Europa nat\u00fcrlich vorkommt, w\u00e4hrend sie in die USA eingeschleppt worden ist. In \u00d6sterreich und Deutschland ist die Art in der planar-kollin H\u00f6henstufe (bis 800m Seeh\u00f6he) fl\u00e4chendeckend verbreitet, wo sie vor allem in w\u00e4rmebeg\u00fcnstigten Gebieten auftritt. Sie kann stellenweise sogar sehr h\u00e4ufig angetroffen werden, und gilt in \u00d6sterreich als nicht gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu vielen anderen Springspinnen und deren gedrungenem K\u00f6rper (wie z.B. der Zebraspringspinne) hat <em>Myrmarachne formicaria<\/em> einen l\u00e4nglich-zarten K\u00f6rper mit einer L\u00e4nge von 5-6,5 mm, der dem einer Ameise \u00e4hnelt. Die Grundf\u00e4rbung des Vorderleibs ist orangebraun, nur der Kopfbereich ist dunkel abgesetzt; der l\u00e4nglich-ovale Hinterleib, der gelblich bis orangebraun, und im hinteren Drittel schw\u00e4rzlich gef\u00e4rbt ist, ist mit dem Vorderleib \u00fcber eine schmale Struktur verbunden, die an den Petiolus einer Ameise erinnert. Die Beine sind gelblich bis orange gef\u00e4rbt, und weisen seitlich schwarze Flecken und L\u00e4ngsstreifen auf. Das erste Beinpaar ist geb\u00e4ndert und hat sehr dunkle Metatarsi, ist auch etwas dicker, und erinnert dabei an die Antennen von Ameisen. Selbst das hintere Augenpaar ist relativ gro\u00df, wodurch es in Gr\u00f6\u00dfe und Position dem einer Ameise \u00e4hnelt!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Chelizeren der Weibchen normal ausgebildet sind, stehen die der M\u00e4nnchen fast waagerecht nach vorne, und sind zudem stark verl\u00e4ngert und flach, wodurch die Geschlechter auch gut zu unterscheiden sind. Die M\u00e4nnchen werben mithilfe ihrer \u00fcbergro\u00dfen Chelizeren w\u00e4hrend der Paarungszeit um die Weibchen. Gleichzeitig werden diese aber auch bei intensiven Kommentk\u00e4mpfen eingesetzt, wenn sich zwei M\u00e4nnchen mit weit gespreizten Chelizeren gegen\u00fcberstehen und bedrohen.<\/p>\n<p>Wie alle Springspinnen baut auch die Ameisenspringspinne kein (Fang-)Netz, sondern lauert ihrer Beute auf oder schleicht sich an die Beutetiere heran. Sie ist haupts\u00e4chlich auf der Erdoberfl\u00e4che und in der Bodenstreu (epig\u00e4isch) zu beobachten, meist in der N\u00e4he der von ihr imitierten Ameisen (wie z.B. <em>Myrmica rubra <\/em>oder <em>Formica<\/em>-Arten). Sie lebt in sehr unterschiedlichen Lebensr\u00e4umen, vornehmlich in Trockenrasen oder in warmen Streuobstwiesen, kann aber durchaus auch in feuchten bzw. nassen Standorten wie Nasswiesen oder feuchten Schilfwiesen angetroffen werden.<\/p>\n<p>Ameisenspringspinnen sind ganzj\u00e4hrig anzutreffen, ihre Hauptaktivit\u00e4tszeit erstreckt sich von April bis August. Die Art \u00fcberwintert gerne in leeren (Land-)Schneckenschalen.<\/p>\n<p>Die Art imitiert in Aussehen und Bewegung Ameisen, aber nicht um sich von ihnen zu ern\u00e4hren. Denn die Spinnen selbst jagen kleine M\u00fccken und Fliegen, h\u00e4ufig auch pflanzensaugende Insekten (z.B. Blattl\u00e4use). Sie profitieren vielmehr davon, dass Ameisen wegen ihrer Aggressivit\u00e4t wenig Feinde haben, und somit auch weniger von Schlupf- oder Grabwespen und V\u00f6gel attackiert werden, d.h. es handelt sich im Fall der Ameisenspringspinne um eine echte Schutz-Mimikry.<\/p>\n<p>Auch in der Bewegung werden die Ameisen nachgeahmt: zum einen beim Laufstil selbst, wo anstelle des \u201etypischen\u201c ruckartigen Springspinnen-Stils ein \u201eameisenartiger\u201c Laufstil mit kurzen Laufphasen und wellenartigen Bewegungen zu erkennen ist, so als ob eine Ameise einer Pheromonspur folgen w\u00fcrde; zum anderen benutzt die Ameisenspringspinne lediglich 3 der 4 Beinpaare zum Laufen, wobei das beim Laufen nicht genutzte erste Beinpaar \u2013 gleich den Antennen der Ameisen \u2013 erhoben getragen wird. Durch entsprechende Bewegungen der Beine werden \u00fcberdies die f\u00fcr Springspinnen charakteristischen scheinwerferartig vergr\u00f6\u00dferten vorderen Mittelaugen beim Laufen geschickt verdeckt.<\/p>\n<p>In Mitteleuropa kommen zwei weitere Gattungen mit ameisennachahmenden Springspinnenarten vor: <a href=\"http:\/\/wiki.arages.de\/index.php?title=Synageles\"><em>Synageles<\/em><\/a> und <a href=\"http:\/\/wiki.arages.de\/index.php?title=Leptorchestes\"><em>Leptorchestes<\/em><\/a>, wie z.B. die Ameisenspinne <em>Synageles venator<\/em>, die \u00fcberhaupt nur 3-4mm gro\u00df ist oder <em>Leptorchestes berolinensis<\/em>, die zwar \u00e4hnlich gro\u00df ist wie die Ameisenspringspinne, aber deren Augenregion gegen\u00fcber dem \u00fcbrigen Prosoma nicht auff\u00e4llig erh\u00f6ht ist.<\/p>\n<p>Warum wurde die Ameisenspringspinne zur Europ\u00e4ischen Spinne des Jahres gew\u00e4hlt?<\/p>\n<p>Der Hauptgrund ist nat\u00fcrlich die Ameisenmimikry, die sich nicht nur rein \u00e4u\u00dferlich im K\u00f6rperbau, sondern auch im Nachahmen von Bewegungsmustern und Verhaltensweisen zeigt. Eine wunderbare Anpassung dieser Springspinne, um Fressfeinden zu entgehen.<\/p>\n<p>Mit der Wahl der Spinne des Jahres soll aber nicht nur eine wenig beliebte Tiergruppe ins rechte Licht ger\u00fcckt werden, sondern gleichzeitig erhoffen sich die Wissenschaftler, Daten zur aktuellen Verbreitung zu bekommen. In diesem Sinne: erfreuen Sie sich an der Spinne des Jahres und helfen Sie mit ihrer Fundmeldung oder ihrem Foto bei der Dokumentation dieser Art.<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlt wurde die \u201eEurop\u00e4ische Spinne des Jahres\u201c von 83 Arachnologen aus 26 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die Koordination der Wahl liegt beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).<\/p>\n<p>Christoph H\u00f6rweg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Spinne des Jahres 2019<\/p>\n<p>Die Ameisenspringspinne \u2013 <em>Myrmarachne formicaria <\/em> (De Geer, 1778)<\/p>\n<p>Die Ameisenspringspinne, <em>Myrmarachne formicaria<\/em> (De Geer, 1778), geh\u00f6rt zur Familie der Springspinnen (Salticidae). 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