{"id":3008,"date":"2020-01-19T20:13:59","date_gmt":"2020-01-19T19:13:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.european-arachnology.org\/wdp\/?p=3008"},"modified":"2020-03-15T11:08:31","modified_gmt":"2020-03-15T10:08:31","slug":"spider-of-the-year-2020-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3008","title":{"rendered":"Spider of the year 2020 &#8211; DE"},"content":{"rendered":"<h4>Spinne des Jahres 2020<\/h4>\n<p>Gerandete Jagdspinne &#8211;<em> Dolomedes fimbriatus<\/em> (Clerck, 1757)<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h5>Information<\/h5>\n<p>Die Gerandete Jagdspinne, <em>Dolomedes fimbriatus <\/em>(Clerck, 1757), geh\u00f6rt zur Familie der Jagdspinnen (Pisauridae). Diese Spinnenfamilie z\u00e4hlt weltweit 356 Arten. In Europa kommen 7 Arten vor. Die Gattung <em>Dolomedes<\/em> ist in Europa mit 2 Arten vertreten: <em>D. fimbriatus <\/em>und<em> D. plantarius <\/em>(Clerck, 1757).<\/p>\n<p>Die Gerandete Jagdspinne ist pal\u00e4arktisch verbreitet. In Mitteleuropa ist die Art meist in der planar-kollinen H\u00f6henstufe (bis 800m Seeh\u00f6he) vertreten, in \u00d6sterreich gibt es Fundmeldungen bis 1250m Seeh\u00f6he.<\/p>\n<p>Sie kann stellenweise sogar sehr h\u00e4ufig angetroffen werden. Durch die Zerst\u00f6rung vieler ihrer bevorzugten Lebensr\u00e4ume (Moore und Feuchtgebiete) ist sie seltener geworden, gilt aber noch nicht als gef\u00e4hrdet. Aufgrund des Klimawandels ist allerdings zu erwarten, dass sie k\u00fcnftig doch in eine Gef\u00e4hrdungskategorie eingestuft werden wird.<\/p>\n<p>Mit K\u00f6rperl\u00e4ngen von 15-22 mm bei Weibchen bzw. 10-13 mm bei M\u00e4nnchen ist die Gerandete Jagdspinne eine der gr\u00f6\u00dften heimischen Spinnen. Der K\u00f6rper wirkt ausgesprochen untersetzt und kr\u00e4ftig. Die Grundf\u00e4rbung ist gelbbraun bis schwarzbraun (bei Jungtieren gr\u00fcnlich bis oliv) und die K\u00f6rperseiten haben meist helle Randstreifen (daher der deutsche Name), die sich \u00fcber die ganze L\u00e4ngsseite des Vorder- und Hinterk\u00f6rpers ziehen. Diese m\u00fcssen allerdings nicht immer ausgebildet sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5>Die Gerandete Jagdspinne \u00fcberw\u00e4ltigt ihre Beutetiere frei jagend ohne Fangnetz.<\/h5>\n<p>Sie lebt vorzugsweise an Ufern stehender und (langsam) flie\u00dfender Gew\u00e4sser, in Sumpfgebieten, in Mooren, auch auf Feuchtwiesen und in Au- bzw. Bruchw\u00e4ldern. Dort lauert sie auf der Wasseroberfl\u00e4che in der N\u00e4he von Pflanzen auf (Wasser-)Insekten, Kaulquappen und kleine Fische. <em>D. fimbriatus<\/em> bewegt sich bei der Jagd geschickt auf der Wasseroberfl\u00e4che. Sie liegt mit dem ganzen K\u00f6rper im Wasser, kann aber dank ihrer dichten K\u00f6rperbehaarung die Oberfl\u00e4chenspannung des Wassers nutzen und \u00fcber Wasser bleiben. Bei Gefahr oder um Beute zu machen, kann sie auch abtauchen. Dabei bildet sich eine Luftblase um ihren K\u00f6rper, die nach dem Auftauchen platzt und eine trockene Spinne aus dem Wasser entl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Paarung erfolgt meist im Mai oder Juni. Ab Ende Juni erfolgt die Eiablage und danach wird der ca. 1 cm gro\u00dfe Kokon (mit bis zu 1000 Eiern) vom Weibchen st\u00e4ndig mitgetragen, und zwar mit den Giftklauen (und nicht wie bei Wolfspinnen an den Spinnwarzen befestigt!). Kurz vor dem Schl\u00fcpfen wird der Kokon in der Ufervegetation aufgeh\u00e4ngt, mit einem Gespinst umgeben und bewacht. Sp\u00e4ter k\u00f6nnen weitere Eiablagen folgen, bei denen aber die Eizahl und Gr\u00f6\u00dfe von Kokon zu Kokon abnehmen. Die Entwicklung der Jungspinnen ist offenbar zweij\u00e4hrig. Sie \u00fcberwintern meist subadult und h\u00e4uten sich Anfang Mai zum letzten Mal.<\/p>\n<p><em>Dolomedes fimbriatus<\/em> ist fast ganzj\u00e4hrig, zumindest von M\u00e4rz bis Oktober anzutreffen, vor allem die Weibchen. Es ist davon auszugehen, dass zumindest diese mehrj\u00e4hrig leben, die Hauptaktivit\u00e4tszeit der M\u00e4nnchen erstreckt sich von Mai bis August.<\/p>\n<p>In (Mittel-)Europa kommt eine weitere Art vor, n\u00e4mlich <em>Dolomedes plantarius<\/em> mit \u00e4hnlichem Habitus (meist ohne helle Seitenstreifen) und Gr\u00f6\u00dfe (K\u00f6rperl\u00e4nge M\u00e4nnchen 10-16 mm, Weibchen 13-20 mm) sowie einem \u00e4hnlichen Lebensraum, eventuell mit einer Bevorzugung von gr\u00f6\u00dferen See- und Moorgebieten. Sie scheint noch st\u00e4rker an das Wasser gebunden zu sein und ben\u00f6tigt besonnte und offene Uferfl\u00e4chen zur Fortpflanzung. Diese Art ist verst\u00e4rkt von April bis August anzutreffen, die Weibchen noch ein bisschen l\u00e4nger bis September. Generell wird diese Art aber selten gefunden. Eine sichere Unterscheidung ist allerdings nur nach Geschlechtsmerkmalen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5>Warum wurde die Gerandete Jagdspinne zur Europ\u00e4ischen Spinne des Jahres gew\u00e4hlt?<\/h5>\n<p>Als eine der gr\u00f6\u00dften heimischen Spinnen an Gew\u00e4sserufern ist sie gut sichtbar und zeigt zudem eine bemerkenswerte Anpassung an ihren Lebensraum, der leider immer mehr bedroht und gef\u00e4hrdet ist. Diese Art ist vor allem durch den Verbau von Ufern, die Beseitigung von R\u00f6hricht- und Schwimmblattvegetation, das Austrocknen von Mooren und die Verkleinerung entsprechender Wasserlebensr\u00e4ume gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Mit der Wahl der Spinne des Jahres soll aber nicht nur eine \u201ewenig beliebte\u201c Tiergruppe ins rechte Licht ger\u00fcckt und auf einen bedrohten Lebensraum hingewiesen werden, sondern gleichzeitig erhoffen sich die Wissenschaftler, Daten zur aktuellen Verbreitung zu bekommen. In diesem Sinne: erfreuen Sie sich an der Spinne des Jahres und helfen Sie mit ihrer Fundmeldung oder ihrem Foto bei der Dokumentation dieser Art.<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlt wurde die \u201eEurop\u00e4ische Spinne des Jahres\u201c von 83 Arachnologen aus 26 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die Koordination der Wahl liegt beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christoph H\u00f6rweg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spinne des Jahres 2020<\/p>\n<p>Gerandete Jagdspinne &#8211;<em> Dolomedes fimbriatus<\/em> (Clerck, 1757)<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Information<\/p>\n<p>Die Gerandete Jagdspinne, <em>Dolomedes fimbriatus <\/em>(Clerck, 1757), geh\u00f6rt zur Familie der Jagdspinnen (Pisauridae). 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