{"id":3093,"date":"2020-12-21T15:04:47","date_gmt":"2020-12-21T14:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.european-arachnology.org\/wdp\/?p=3093"},"modified":"2021-08-11T10:31:20","modified_gmt":"2021-08-11T08:31:20","slug":"spider-of-the-year-2021-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3093","title":{"rendered":"Spider of the year 2021 &#8211; DE"},"content":{"rendered":"<h4>Spinne des Jahres 2021<\/h4>\n<p>Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser &#8211;<em> Ero furcata<\/em> (Villers, 1789)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser, <em>Ero furcata <\/em>(Villers, 1789), geh\u00f6rt zur gleichnamigen Familie der Spinnenfresser (Mimetidae). Diese Spinnenfamilie z\u00e4hlt weltweit 154 Arten, in Europa sind 10 Arten bekannt; davon sind 9 Arten in der Gattung <em>Ero <\/em>gelistet. Neben <em>Ero furcata<\/em> haben drei weitere Arten dieser Gattung ihren Verbreitungsschwerpunkt in Mitteleuropa: <em>Ero alphana<\/em> (Walckenaer, 1802), <em>E. cambridgei<\/em> Kulczy\u0144ski, 1991 und <em>E. tuberculata<\/em> (De Geer, 1778).<\/p>\n<p>Der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser ist pal\u00e4arktisch verbreitet. In Mitteleuropa ist die Art vornehmlich an die planar-kolline H\u00f6henstufe (bis 800m Seeh\u00f6he) gebunden, kann aber aber auch in montane Gebiete (bis 1500m) vordringen; in \u00d6sterreich gibt es sogar Fundmeldungen aus einer Ger\u00f6llhalde in 2000m Seeh\u00f6he.<\/p>\n<p>Man kann den Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser in naturnahen Standorten antreffen, meist findet man ihn in der Bodenstreu verschiedener Waldtypen, aber auch im unteren (und gelegentlich) mittleren Stammbereich von B\u00e4umen; des Weiteren an Waldr\u00e4ndern, in Str\u00e4uchern und an W\u00e4rmestandorten. Der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser gilt als nicht gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Die K\u00f6rperl\u00e4nge des M\u00e4nnchens betr\u00e4gt 2,5 &#8211; 3 mm, die des Weibchens 3,5 \u2013 4,8 mm. Der Vorderk\u00f6rper ist mittig erh\u00f6ht, hellbraun gef\u00e4rbt und weist eine charakteristische schwarze Zeichnung auf; der Hinterk\u00f6rper ist kurz und auff\u00e4llig kugelig gew\u00f6lbt, ebenfalls hellbraun bis gelblich gef\u00e4rbt, mit dunklen Flecken und 2 stumpfen H\u00f6ckern im vorderen Bereich. Die Beine sind meist klar geringelt, zudem sind die beiden vorderen Beinpaare l\u00e4nger als die restlichen Beine.<\/p>\n<p>Der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser ern\u00e4hrt sich &#8211; wie sich bereits aus seinem deutschen Namen vermuten l\u00e4sst, ausschlie\u00dflich von anderen Spinnen, v. a. von Netzspinnen. Er baut kein eigenes Netz, sondern besucht am Abend und in der Nacht aktiv Netze von z. B. Kugelspinnen, wo er durch geschicktes Zupfen ein ins Netz gegangenes Beutetier vort\u00e4uscht. Die dadurch angelockte Netzinhaberin wird mit den langen Vorderbeinen gepackt, ins Bein gebissen und anschlie\u00dfend ausgesaugt. Nicht umsonst tr\u00e4gt der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser den englischen Namen \u201epirate spider\u201c.<\/p>\n<p>Untertags sitzt der kleine Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser, oft mit angezogenen Beinen, gut versteckt unter Bl\u00e4ttern und Zweigen und ist daher nicht leicht zu entdecken. Leichter zu finden ist hingegen der charakteristische Kokon, der im Sp\u00e4tsommer produziert wird. Der Kokon ist tropfenf\u00f6rmig gestaltet, um die 4 mm gro\u00df, und besteht aus mehreren Lagen verschiedener Spinnseiden: Innen eine wei\u00dfe d\u00fcnne Gespinstschicht aus feiner Seide, eine mittlere Lage aus grober, fester Seide, die straff \u00fcber die innere Schicht gelegt wird, und einer \u00e4u\u00dferen H\u00fcllschicht aus gekr\u00e4uselten, drahtartigen F\u00e4den. Der Kokon wird in der Regel an einem ca. 15 mm langen, d\u00fcnnen, aber steifen Faden unter Vorspr\u00fcngen, Bl\u00e4ttern oder an Zweigen angebracht. Diese Aufh\u00e4ngung kann als Schutzma\u00dfnahme gegen Eir\u00e4uber angesehen werden, verhindert aber nicht die Parasitierung durch z.B. Schlupfwespen, die bis zu 40% der Kokons betreffen kann. Der Kokon selbst enth\u00e4lt meist nur 6-8 Eier. Die Jungspinnen schl\u00fcpfen nach der \u00dcberwinterung und werden bis zum sp\u00e4ten Fr\u00fchjahr erwachsen und bauen dann eigene Kokons, die wiederum im Sommer verlassen werden. Somit ist <em>Ero furcata<\/em> ganzj\u00e4hrig anzutreffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In (Mittel-)Europa kommen &#8211; wie bereits eingangs erw\u00e4hnt &#8211; drei weitere, jedoch seltenere Arten mit allerdings \u00e4hnlicher Lebensweise vor. Ebenfalls zwei H\u00f6cker am Hinterleib weist <em>Ero cambridgei<\/em>, der Sumpfspinnenfresser, auf, der ganzj\u00e4hrig in feuchteren Gebieten wie Hochmooren oder \u00fcberschwemmten Wiesen vorkommt, und auch etwas kleiner ist als <em>Ero furcata<\/em>. <em>Ero aphana<\/em>, der Vierh\u00f6cker-Spinnenfresser, lebt am Rand von Nadelw\u00e4ldern und Str\u00e4uchern, und ist von April bis August meist in w\u00e4rmeren Lagen aktiv. <em>Ero tuberculata, <\/em>der Gro\u00dfe Spinnenfresser, hat ebenfalls vier H\u00f6cker, wobei das vordere Paar besonders gro\u00df ist; diese seltene Art er kann ab Juni ebenfalls in Nadelw\u00e4ldern und feuchtem Gel\u00e4nde, angetroffen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h5>Warum wurde der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser zur Europ\u00e4ischen Spinne des Jahres gew\u00e4hlt?<\/h5>\n<p>Als \u201eR\u00e4uber unter den R\u00e4ubern\u201c hat der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser eine bemerkenswerte Nahrungsbiologie entwickelt. Daher mag es \u00fcberraschen, dass bislang kein Vertreter dieser Spinnenfamilie als Spinne des Jahres ausgezeichnet wurde. Auch der charakteristische Kokon bietet bei dieser Art die M\u00f6glichkeit, das Augenmerk auf die vielseitige Verwendung von Spinnseide und ihre effiziente Produktion und Verarbeitung zu richten.<\/p>\n<p>Mit der Wahl der Spinne des Jahres soll aber nicht nur eine \u201ewenig beliebte\u201c Tiergruppe ins rechte Licht ger\u00fcckt werden, sondern gleichzeitig erhoffen sich die Wissenschaftler, Daten zur aktuellen Verbreitung zu bekommen. In diesem Sinne: erfreuen Sie sich an der Spinne des Jahres und helfen Sie mit ihrer Fundmeldung oder ihrem Foto (von Spinne und Kokon!) bei der Dokumentation dieser Art.<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlt wurde die \u201eEurop\u00e4ische Spinne des Jahres\u201c von 84 Arachnologen aus 27 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die Koordination der Wahl liegt beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christoph H\u00f6rweg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spinne des Jahres 2021<\/p>\n<p>Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser &#8211;<em> Ero furcata<\/em> (Villers, 1789)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Zweih\u00f6cker-Spinnenfresser, <em>Ero furcata <\/em>(Villers, 1789), geh\u00f6rt zur gleichnamigen Familie der Spinnenfresser (Mimetidae). 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