{"id":3316,"date":"2021-12-27T10:10:09","date_gmt":"2021-12-27T09:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3316"},"modified":"2021-12-27T10:15:35","modified_gmt":"2021-12-27T09:15:35","slug":"spider-of-the-year-2022-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3316","title":{"rendered":"Spider of the year 2022 &#8211; DE"},"content":{"rendered":"<h4>Spinne des Jahres 2022<\/h4>\n<p>Trommelwolf &#8211; <em>Hygrolycosa rubrofasciata <\/em>(Ohlert, 1865)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Information<\/strong><\/p>\n<p>Der Trommelwolf, <em>Hygrolycosa rubrofasciata <\/em>(Ohlert, 1865), geh\u00f6rt zur Familie der Wolfspinnen (Lycosidae). Diese Spinnenfamilie z\u00e4hlt weltweit 2440 Arten, in Europa sind 352 Arten bekannt. In der Gattung <em>Hygrolycosa <\/em>(Sumpfw\u00f6lfe) gibt es weltweit nur f\u00fcnf Arten, in Europa zwei, wobei <em>Hygrolycosa strandi<\/em> ausschlie\u00dflich in Griechenland vorkommt. Somit ist in Mitteleuropa der Trommelwolf der einzige Vertreter dieser Gruppe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verbreitung, Lebensraum und Gef\u00e4hrdung<\/strong><\/p>\n<p>Der Trommelwolf ist pal\u00e4arktisch verbreitet. In Mitteleuropa bzw. \u00d6sterreich ist die Art vornehmlich an die planar-kolline H\u00f6henstufe (bis 800m Seeh\u00f6he) gebunden. Es handelt sich um eine der seltensten Spinnen \u00d6sterreichs mit nur wenigen Nachweisen aus Vorarlberg, der Steiermark und dem Burgenland, bedingt auch durch den speziellen Lebensraum. <em>Hygrolycosa rubrofasciata<\/em> bevorzugt nasse Habitate und ist daher nur in ausgew\u00e4hlten, naturnahen Standorten wie etwa in Mooren, Sumpf-, Nass- und Feuchtwiesen oder in feuchten (Schlucht-)W\u00e4ldern anzutreffen. Durch die zunehmende Bedrohung und Zerst\u00f6rung vieler seiner bevorzugten Lebensr\u00e4ume steht der Trommelwolf daher auf der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten, in \u00d6sterreich gilt er als vom Aussterben bedroht, in Deutschland als gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Beschreibung<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6rperl\u00e4nge von <em>Hygrolycosa rubrofasciata<\/em> betr\u00e4gt 5 \u2013 6 mm. Eine Unterscheidung der Geschlechter ist nicht \u2013 wie oft bei Spinnen \u2013 \u00fcber die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe (wobei die Weibchen meist gr\u00f6\u00dfer sind), sondern durch die unterschiedliche F\u00e4rbung und Zeichnung gegeben. Die M\u00e4nnchen sind fast schwarz, der Vorderk\u00f6rper mit drei undeutlichen hellen L\u00e4ngsbinden, der Hinterk\u00f6rper dunkelbraun-schwarz mit vier verbundenen L\u00e4ngsreihen wei\u00dfer Punkte, die Beine zweifarbig, schwarz-hellbraun. Die Weibchen haben einen hellbraunen Vorderk\u00f6rper mit zwei dunklen bzw. drei hellen L\u00e4ngsbinden, des Weiteren zwei schm\u00e4lere Fleckenreihen, und auch einen helleren Hinterk\u00f6rper. Die Beine sind hellbraun mit dunklen Punkten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lebensweise<\/strong><\/p>\n<p>Der Trommelwolf baut wie die meisten Wolfspinnen kein eigenes Netz, sondern wartet als tagaktiver Lauerj\u00e4ger auf seine Beute, vornehmlich Insekten.<\/p>\n<p>Zur Balz im Fr\u00fchjahr trommeln die m\u00e4nnlichen Tiere mit ihrem Hinterleib auf trockene Bl\u00e4tter und erzeugen dadurch ein auch f\u00fcr den Menschen h\u00f6rbares, \u201eschnurrendes\u201c Trommelger\u00e4usch, welches dieser Spinne auch zu Ihrem deutschen Namen verholfen hat.<\/p>\n<p>Nach der Paarung legen die Weibchen ungef\u00e4hr 60 Eier in den Kokon. Generell sind<\/p>\n<p>Wolfspinnen-Weibchen f\u00fcr ihre f\u00fcrsorgliche Brutpflege bekannt. Sie tragen ihren Kokon an den Spinnwarzen angeheftet und f\u00fchren ihn st\u00e4ndig mit sich herum. Nach dem Ausschl\u00fcpfen der Jungen klettern diese meist auf den R\u00fccken der Mutter und werden von ihr mitgetragen. Bei <em>Hygroylosa rubrofasciata<\/em> ist dieses Verhalten in einem Aspekt abweichend: hier halten sich die Jungtiere n\u00e4mlich nicht am R\u00fccken der Mutter, sondern am leeren Kokon fest \u2013 m\u00f6glicherweise eine Anpassung an den nass-feuchten Lebensraum.<\/p>\n<p>Ausgewachsen kommt der Trommelwolf von M\u00e4rz bis November vor, wobei die M\u00e4nnchen meist nach der Paarung sterben, die Weibchen aber oft noch den Winter \u00fcberdauern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Art<\/strong><\/p>\n<p>In (Mittel-)Europa kommt der Trommelwolf als einzige Art seiner Gattung vor und ist auch aufgrund der F\u00e4rbung und Zeichnung einigerma\u00dfen gut zu bestimmen. Von unge\u00fcbten Beobachtern k\u00f6nnte <em>Hygrolycosa rubrofasciata<\/em> eventuell mit <em>Zora spinimana<\/em>, dem Gew\u00f6hnlichen Stachelbein (Familie Miturgidae \u2013 Wanderspinnen), die in \u00e4hnlichen Lebensr\u00e4umen lebt, verwechselt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Warum wurde der Trommelwolf zur Europ\u00e4ischen Spinne des Jahres gew\u00e4hlt? <\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser stark gef\u00e4hrdeten Art, die in \u00d6sterreich sogar vom Aussterben bedroht ist, soll auf die Bedrohung und Zerst\u00f6rung entsprechender Lebensr\u00e4ume \u2013 in diesem Fall speziell auf das Austrocknen der Moore, hingewiesen werden. Dies umso mehr, als Moore auch in Hinblick auf den Klimawandel in ihrer Rolle als Kohlenstoffspeicher immer wichtiger werden.<\/p>\n<p>Zudem ist es spannend und kurios genug, dass man eine Spinne trommeln h\u00f6ren kann. Und auch das Verhalten der Jungtiere, n\u00e4mlich nach dem Schl\u00fcpfen auf dem Kokon zu bleiben, ist eine Seltenheit bei Wolfspinnen.<\/p>\n<p>Mit der Wahl der Spinne des Jahres soll aber nicht nur eine \u201ewenig beliebte\u201c Tiergruppe ins rechte Licht ger\u00fcckt und auf einen bedrohten Lebensraum hingewiesen werden, sondern gleichzeitig erhoffen sich die Wissenschaftler, Daten zur aktuellen Verbreitung zu bekommen. In diesem Sinne: erfreuen Sie sich an der Spinne des Jahres und helfen Sie mit ihrer Fundmeldung oder ihrem Foto bei der Dokumentation dieser Art.<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlt wurde die \u201eEurop\u00e4ische Spinne des Jahres\u201c von 84 Arachnologen aus 27 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die Koordination der Wahl liegt beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Christoph H\u00f6rweg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spinne des Jahres 2022<\/p>\n<p>Trommelwolf &#8211; <em>Hygrolycosa rubrofasciata <\/em>(Ohlert, 1865)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Information<\/strong><\/p>\n<p>Der Trommelwolf, <em>Hygrolycosa rubrofasciata <\/em>(Ohlert, 1865), geh\u00f6rt zur Familie der Wolfspinnen (Lycosidae).<\/p>\n<p><span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3316\">Read more &#8250;<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":112,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[116],"tags":[],"class_list":["post-3316","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spider_of_the_year_2022"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3316","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/112"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3316"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3316\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3322,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3316\/revisions\/3322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}