{"id":3463,"date":"2023-01-16T12:17:08","date_gmt":"2023-01-16T11:17:08","guid":{"rendered":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3463"},"modified":"2023-01-16T12:20:56","modified_gmt":"2023-01-16T11:20:56","slug":"spider-of-the-year-2023-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3463","title":{"rendered":"Spider of the year 2023 &#8211; DE"},"content":{"rendered":"<p><strong>Spinne des Jahres 2023<\/strong><\/p>\n<p>Ammendornfinger, <em>Cheiracanthium punctorium<\/em> (Villers, 1789)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Information<\/strong><\/p>\n<p>Der Ammendornfinger, <em>Cheiracanthium punctorium <\/em>(Villers, 1789), geh\u00f6rt zur Familie der Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae). Diese Spinnenfamilie z\u00e4hlt weltweit 363 Arten, von denen in Europa 35 bekannt sind. In der Gattung <em>Cheiracanthium <\/em>(Echte Dornfinger) gibt es in \u00d6sterreich 10, in Deutschland 12 und in der Schweiz 7 Arten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verbreitung, Lebensraum und Gef\u00e4hrdung<\/strong><\/p>\n<p>Der Ammendornfinger ist pal\u00e4arktisch verbreitet, von Europa bis Zentralasien. In Mitteleuropa bzw. \u00d6sterreich ist die Art vornehmlich an die planar-kolline H\u00f6henstufe (bis 800m Seeh\u00f6he) gebunden, es gibt aber auch Nachweise in h\u00f6heren Lagen (bis zu 1000m). <em>Cheiracanthium punctorium<\/em> lebt vor allem in der Kraut- und Strauchschicht warmer, offener Lebensr\u00e4ume, aber auch an feuchten Stellen in wenig genutzten Wiesen; in \u00d6sterreich gilt die Art als nicht gef\u00e4hrdet, in Deutschland steht sie in einigen Bundesl\u00e4ndern auf der Roten Liste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beschreibung<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6rperl\u00e4nge von <em>Cheiracanthium punctorium<\/em> betr\u00e4gt bei Weibchen 10 \u2013 15 mm, die M\u00e4nnchen sind mit 7,5 \u2013 12 mm etwas kleiner. Der Vorderk\u00f6rper ist gr\u00fcnlich-braun, und kann mitunter auch v\u00f6llig orange-r\u00f6tlich sein. Die sehr kr\u00e4ftigen und langen Chelizeren besitzen rote Grundglieder und die Klaue weist eine schwarze Spitze auf. Der blass gelb-gr\u00fcnliche Hinterleib ist oft mit einem dunklen Spie\u00dffleck versehen, der bis zur Mitte des Hinterleibs reichen oder auch ganz fehlen kann.<\/p>\n<p>Die gelblichen Beine weisen schwarze Spitzen auf. Das erste Beinpaar ist verl\u00e4ngert, wodurch man Spinnen der Gattung <em>Cheiracanthium<\/em> auch von Sackspinnen der Gattung <em>Clubiona<\/em> unterscheiden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lebensweise<\/strong><\/p>\n<p>Die vorwiegend nachtaktiven Tiere bauen zum Beutefang keine Netze. Sie schleichen sich an ihre Beutetiere heran und \u00fcberw\u00e4ltigen sie mit einem Giftbiss. Der Ammendornfinger kann aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe und der kr\u00e4ftigen Chelizeren auch gro\u00dfe Insekten, wie Heuschrecken oder Gottesanbeterinnen \u00fcberw\u00e4ltigen. Die Tiere verbringen den Tag \u00fcber in kugeligen Ruhegespinsten, meist in krautiger Vegetation, in Gestr\u00fcpp oder unter Steinen. Man findet sie vorwiegend in ungenutzten Offenlandbiotopen vor allem im hohen Gras und in Hochstauden, die Spinnen sind aber auch an Waldlichtungen, Ackerbrachen und Wiesen, sowie an Weg-, Grabenr\u00e4ndern und Bahnd\u00e4mmen zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Hochsommer bauen die subadulten Weibchen auff\u00e4llige, h\u00fchnereigro\u00dfe Brutgespinste, die mit Grashalmen, Bl\u00e4ttern oder St\u00e4ngeln verwoben sind. Gleich daneben spinnen reife M\u00e4nnchen ihr Ruhegespinst und sobald die Reifeh\u00e4utung des Weibchens erfolgt ist, durchbricht das M\u00e4nnchen die Wand zwischen den beiden Gespinsten und es kommt zur Paarung. Dann erfolgt darin im August die Ablage von ca. 80-300 Eiern in einen Kokon. In diesem Zeitraum werden die Gespinste vom Weibchen sehr vehement\/aggressiv verteidigt \u2013 wie eine Amme ihre Kinder, was dieser Spinne auch Ihren deutschen Namen eingetragen hat. \u201eDornfinger\u201c selbst bezieht sich auf einen langen, d\u00fcnnen Dorn, den die M\u00e4nnchen an ihrem Taster tragen.<\/p>\n<p>Die Jungspinnen schl\u00fcpfen 3-5 Wochen sp\u00e4ter im Zeitraum von Mitte September bis Anfang Oktober, verlassen das Gespinst und \u00fcberwintern in selbstgebauten, bodennahen Gespinsten, die einen ungef\u00e4hren Durchmesser von 5mm aufweisen.<\/p>\n<p>Erwachsene Ammendornfinger sind vor allem im Juni bis Oktober aktiv.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Giftwirkung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Art kann Menschen bei\u00dfen, vor allem wenn man versucht, das Tier zu fangen oder es versehentlich quetscht. Die versteckte Lebensweise des Ammendornfingers, meist weitab von menschlichen Wohnungen, macht jedoch einen Biss relativ unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Der Biss verursacht einen sofortigen stark brennenden Schmerz, der sein Maximum nach 5-20 Minuten erreicht und f\u00fcr einige Stunden anhalten kann. Die Schmerzintensit\u00e4t wird mit einem Wespenstich verglichen. Der Biss kann Symptome wie moderate lokale Anschwellung, R\u00f6tung, Juckreiz, \u00dcbelkeit und leichtes Fieber ausl\u00f6sten. Nekrotische Hautver\u00e4nderungen werden nicht verursacht. Bei Bedarf ist eine symptomatische Therapie empfohlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Arten<\/strong><\/p>\n<p>Von seinen in Mitteleuropa verwandten Arten kann man den Ammendornfinger recht gut aufgrund seiner prominenten F\u00e4rbung und seiner auff\u00e4lligen Gr\u00f6\u00dfe unterscheiden.<\/p>\n<p>Verwechslungen k\u00f6nnen sich allenfalls mit \u00e4hnlich gro\u00dfen Arten aus der Familie der Sackspinnen (Cheiracanthiidae) ergeben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Warum wurde der Ammendornfinger zur Europ\u00e4ischen Spinne des Jahres gew\u00e4hlt? <\/strong><\/p>\n<p>Zum einen gab es aus dieser Spinnenfamilie noch nie einen Vertreter, andererseits wird diese Art relativ h\u00e4ufig in den Medien genannt, weil sie auch mit Bissf\u00e4llen in Verbindung gebracht und daher als medizinisch relevant angesehen wird. Sehr oft sind es aber nur Vermutungen, umso wichtiger ist es daher, entsprechende F\u00e4lle zu dokumentieren und generell Fakten \u00fcber diese Spinne aufzuzeigen, um unbegr\u00fcndete Furcht zu vermeiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der Wahl der Spinne des Jahres soll aber nicht nur eine \u201ewenig beliebte\u201c Tiergruppe ins rechte Licht ger\u00fcckt und auf bedrohte Lebensr\u00e4ume \u2013 in diesem Fall offene trockene Standorte wie Wiesen, Weiden, Steppenrasen \u2013 hingewiesen werden, sondern gleichzeitig erhoffen sich die Wissenschaftler, Daten zur aktuellen Verbreitung zu bekommen. In diesem Sinne: erfreuen Sie sich an der Spinne des Jahres und helfen Sie mit ihrer Fundmeldung oder ihrem Foto bei der Dokumentation dieser Art.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlt wurde die \u201eEurop\u00e4ische Spinne des Jahres\u201c von 84 Arachnologen aus 27 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die Koordination der Wahl liegt beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christoph H\u00f6rweg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Spinne des Jahres 2023<\/strong><\/p>\n<p>Ammendornfinger, <em>Cheiracanthium punctorium<\/em> (Villers, 1789)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Information<\/strong><\/p>\n<p>Der Ammendornfinger, <em>Cheiracanthium punctorium <\/em>(Villers, 1789), geh\u00f6rt zur Familie der Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae). 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