{"id":3532,"date":"2024-01-03T09:13:07","date_gmt":"2024-01-03T08:13:07","guid":{"rendered":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3532"},"modified":"2024-01-03T09:13:07","modified_gmt":"2024-01-03T08:13:07","slug":"spider-of-the-year-2024-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3532","title":{"rendered":"Spider of the year 2024 &#8211; DE"},"content":{"rendered":"<p><strong>Spinne des Jahres 2024<\/strong><\/p>\n<p>Gefleckte H\u00f6hlenspinne, <em>Nesticus cellulanus <\/em>(Clerck, 1757)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Information<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefleckte H\u00f6hlenspinne, <em>Nesticus cellulanus <\/em>(Clerck, 1757), geh\u00f6rt zur Familie der H\u00f6hlenspinnen (Nesticidae). Diese Spinnenfamilie z\u00e4hlt weltweit 291 Arten, von denen in Europa (inklusive der T\u00fcrkei und dem Kaukasus) 58 bekannt sind. In der Gattung <em>Nesticus <\/em>(Echte H\u00f6hlenspinnen) gibt es in Mitteleuropa nur diese eine Art.<\/p>\n<p><strong>Verbreitung, Lebensraum und Gef\u00e4hrdung<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefleckte H\u00f6hlenspinne ist \u00fcber ganz Europa bis in die T\u00fcrkei verbreitet und h\u00e4ufig. In Mitteleuropa bzw. \u00d6sterreich ist die Art vornehmlich an die planar-kolline H\u00f6henstufe (bis 800m Seeh\u00f6he) gebunden, es gibt aber auch Nachweise bis knapp 1000m Seeh\u00f6he.\u00a0 <em>Nesticus cellulanus<\/em> lebt vor allem in H\u00f6hlen und Bergwerkstollen. In fast allen Roten Listen gilt die Art als nicht gef\u00e4hrdet, kann aber, so wie in K\u00e4rnten (\u00d6sterreich), durchaus schon auf der Vornwarnliste (\u201eNear threatened\u201c) stehen.<\/p>\n<p><strong>Beschreibung<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6rperl\u00e4nge von <em>Nesticus cellulanus<\/em> betr\u00e4gt bei Weibchen 3,5\u20136 mm, die M\u00e4nnchen sind mit 3\u20135 mm etwas kleiner. Der Vorderk\u00f6rper ist gelblich gef\u00e4rbt und besitzt eine schw\u00e4rzliche Zeichnung, die Brust ist hellgelb mit schwarzen Flecken. Der Hinterleib ist graugelbwei\u00dflich mit schw\u00e4rzlichen Flecken und die Beine sind gelblich und schwarz geringelt.<\/p>\n<p><strong>Lebensweise<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefleckte H\u00f6hlenspinne ist \u2013 wie der Name schon sagt \u2013 meist in H\u00f6hlen, Bergwerkstollen, Grotten und alten Kellergew\u00f6lben anzutreffen. Sie ist also auf Standorte mit einem k\u00fchlen und feuchten Mikroklima angewiesen, die zudem vor Frost gesch\u00fctzt sein m\u00fcssen und keine gro\u00dfen Temperaturschwankungen aufweisen d\u00fcrfen. Daher kann sie im Freiland gelegentlich auch im Spaltensystem von Ger\u00f6llhalden, in dunklen feuchten Erdspalten, unter Moospolstern, in hohlen B\u00e4umen oder in Brunnensch\u00e4chten zu finden sein.<\/p>\n<p><em>Nesticus cellulanus<\/em> baut zumeist in Vertiefungen von H\u00f6hlenw\u00e4nden einen weitmaschigen Netzteppich, von dem aus Fangf\u00e4den nach unten f\u00fchren. Die Fangf\u00e4den sind im unteren Bereich mit einer sehr regelm\u00e4\u00dfig angeordneten Reihe von Klebetr\u00f6pfchen besetzt. Sobald sich ein Beutetier an den Klebetr\u00f6pfchen verfangen hat, wird es von der Spinne mit weiteren Fangf\u00e4den beworfen, dann mit mehreren Giftbissen get\u00f6tet und anschlie\u00dfend zum Netzteppich emporgezogen. Als Beute kommen am Boden bzw. an den W\u00e4nden laufende Tiere in Frage, wie z.B. Stechm\u00fccken oder andere Insekten.<\/p>\n<p>Das Paarungsverhalten weist ebenfalls einige Eigenheiten auf: der Begattung geht eine Werbung voraus, wobei das M\u00e4nnchen an einem Faden des weiblichen Netzes zupft. Und nach einer kurzen nur wenige Minuten dauernden Kopulation, bei der beide Partner r\u00fccklings im Netz h\u00e4ngen, gibt das Weibchen dem M\u00e4nnchen bei der Einf\u00fchrung der Taster Hilfestellung.<\/p>\n<p>Der kugelige r\u00f6tlichgelbe Eikokon, in den das Weibchen die Eier legt, wird von diesem bis zum Schl\u00fcpfen der Jungspinnen an ihren Spinnwarzen getragen und erst sp\u00e4ter im Netz befestigt.<\/p>\n<p>Die Reife- und Fortpflanzungszeit erstreckt sich kontinuierlich \u00fcber das ganze Jahr, so dass alle Stadien gleichzeitig angetroffen werden k\u00f6nnen, allerdings mit einer H\u00e4ufung der erwachsenen Tiere in den Sommermonaten.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Arten<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefleckte H\u00f6hlenspinne kann mit der bei uns allerdings deutlich selteneren Bleichen H\u00f6hlenspinne (<em>Kryptonesticus eremita<\/em>) verwechselt werden, die etwas heller gef\u00e4rbt ist. Der dunkle Mittelstreifen auf dem Vorderleib geht bei der Gefleckten H\u00f6hlenspinne von vorne nach hinten durch und wird bei der Bleichen H\u00f6hlenspinne ab der Mitte schmal oder ist gar nicht mehr vorhanden. Eine sichere Unterscheidung kann nur durch Untersuchung der Genitalien oder DNA-Barcoding erfolgen.<\/p>\n<p><strong>Warum wurde die Gefleckte H\u00f6hlenspinne zur Europ\u00e4ischen Spinne des Jahres gew\u00e4hlt? <\/strong><\/p>\n<p>Der Wahl ist eine Anfrage des Verbandes der deutschen H\u00f6hlen- und Karstforscher e.V., der seit 2009 ein H\u00f6hlentier des Jahres w\u00e4hlt, vorangegangen. Dessen Mitglieder hatten die Idee \u2013 \u00e4hnlich wie schon 2012, als die Gro\u00dfe H\u00f6hlenspinne <em>Meta menardi<\/em> ausgesucht wurde \u2013 das H\u00f6hlentier und die Spinne des Jahres zu kombinieren. Ein Vorschlag, dem sich die \u201eSpinnen-Jury\u201c (84 Arachnologen aus 27 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern) angeschlossen hat. Dies ist auch als deutliches Zeichen daf\u00fcr zu verstehen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen \u00d6kosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht und die gute Zusammenarbeit zwischen den H\u00f6hlenforschern (Spel\u00e4ologen) und den Spinnenforschern (Arachnologen) weiter ausgebaut werden soll.<\/p>\n<p>Mit der Wahl der Spinne des Jahres soll aber nicht nur eine \u201ewenig beliebte\u201c Tiergruppe ins rechte Licht ger\u00fcckt und auf bedrohte Lebensr\u00e4ume \u2013 in diesem Fall H\u00f6hlen als spezielle sch\u00fctzenswerte Lebensr\u00e4ume \u2013 hingewiesen werden, sondern gleichzeitig erhoffen sich die Wissenschaftler, Daten zur aktuellen Verbreitung zu bekommen. In diesem Sinne: halten Sie beim n\u00e4chsten Besuch einer H\u00f6hle die Augen offen und helfen Sie mit ihrer Fundmeldung\/ihrem Foto bei der Dokumentation dieser Art.<\/p>\n<p>Die Koordination zur Spinne des Jahres liegt beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).<\/p>\n<p>Christoph H\u00f6rweg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Spinne des Jahres 2024<\/strong><\/p>\n<p>Gefleckte H\u00f6hlenspinne, <em>Nesticus cellulanus <\/em>(Clerck, 1757)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Information<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefleckte H\u00f6hlenspinne, <em>Nesticus cellulanus <\/em>(Clerck, 1757), geh\u00f6rt zur Familie der H\u00f6hlenspinnen (Nesticidae).<\/p>\n<p><span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=3532\">Read more &#8250;<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":112,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[118],"tags":[],"class_list":["post-3532","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spider_of_the_year_2024"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/112"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3532"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3532\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3657,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3532\/revisions\/3657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}