{"id":493,"date":"2015-08-14T14:30:20","date_gmt":"2015-08-14T12:30:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.european-arachnology.org\/wdp\/?p=493"},"modified":"2015-11-09T14:16:19","modified_gmt":"2015-11-09T13:16:19","slug":"spider-of-the-year-2014-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-arachnology.org\/esa\/?p=493","title":{"rendered":"Spider of the year 2014 &#8211; DE"},"content":{"rendered":"<h4>Europ\u00e4ische Spinne des Jahres 2014<\/h4>\n<p>Die Gemeine Baldachinspinne \u2013 <em>Linyphia triangularis<\/em> (Clerck 1757)<\/p>\n<p>Die Gemeine Baldachinspinne <em>Linyphia triangularis<\/em> (Clerck 1757) geh\u00f6rt zur Familie der Baldachinspinnen (Linyphiidae). Diese Familie stellt weltweit nach den Springspinnen (Salticidae) die meisten Vertreter, n\u00e4mlich 4.461; in Europa bilden die Baldachinspinnen mit 1.248 Arten sogar die gr\u00f6\u00dfte Spinnenfamilie; in Mitteleuropa kommen 493 Arten vor.<\/p>\n<p>Die Familie der Baldachinspinnen ist charakterisiert durch den Netzbau, alle Arten bauen \u2013 wie der Name schon sagt \u2013 ein baldachinartiges Deckennetz.<br \/>\nDie Gemeine Baldachinspinne selbst ist im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern ihrer Familie aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe und ihrer auff\u00e4lligen Zeichnung auf dem Vorderk\u00f6rper einigerma\u00dfen leicht zu identifizieren. Sie ist die mit Abstand h\u00e4ufigste Baldachinspinne in Mitteleuropa.<\/p>\n<p>Sie besiedelt gro\u00dfe Teile der Pal\u00e4arktis, ihr Verbreitungsgebiet umfasst die gem\u00e4\u00dfigten bis subtropischen Zonen. Sie kommt au\u00dfer auf Island in ganz Europa vor, ihre H\u00f6henverbreitung reicht von der Ebene und H\u00fcgellagen bis hinauf in montane Gebiete.<\/p>\n<p>Die Art ist hinsichtlich ihres Lebensraumes wenig spezialisiert; als \u201eGeneralist\u201c trifft man sie in nicht zu feuchten W\u00e4ldern ebenso an wie in offenen Fl\u00e4chen aller Art, seien es Wiesen, Waldr\u00e4nder, aber auch Parks und G\u00e4rten. Sie kann in allen geeigneten Lebensr\u00e4umen sehr zahlreich vorkommen und ist somit aus naturschutzfachlicher Sicht als \u201eungef\u00e4hrdet\u201c einzustufen.<\/p>\n<p>Das Netz der Gemeinen Baldachinspinne wird meist niedrig \u00fcber dem Boden, in Gr\u00e4sern, Stauden und Str\u00e4uchern angelegt. Es besteht wie bei den meisten Vertretern der Familie aus einem nach unten gespannten horizontalen Netzteppich, \u00fcber dem ein ca. 20 cm hohes Geflecht aus sehr lockeren &#8220;Stolperf\u00e4den&#8221; angelegt ist. Die Spinne sitzt fast immer in \u00fcckenlage an der Unterseite des Netzteppichs. Die Beute st\u00f6\u00dft meist gegen die Stolperf\u00e4den und f\u00e4llt dann auf den Netzteppich, wo sie von der Spinne erbeutet wird. Das sind meist kleinere Insekten wie M\u00fccken, und winzige Fliegen bzw. K\u00e4fer.<\/p>\n<p>Die K\u00f6rperl\u00e4nge betr\u00e4gt bei beiden Geschlechtern etwa 5-7 mm. Der Vorderk\u00f6rper ist beigebraun gef\u00e4rbt und schwarzbraun gerandet mit einem schwarzen Mittelband, das sich etwa in der Mitte des Vorderk\u00f6rpers nach vorn teilt. Diese Zeichnung erinnert an eine Stimmgabel. Der Hinterk\u00f6rper ist gelblich-wei\u00df mit einem breiten braunen, dunkel gerandeten Mittelband, das mehrfach eingeschn\u00fcrt ist, wodurch manchmal typische dreieckige Flecken zu sehen sind. Seitlich sind ebenfalls braune B\u00e4nder und Flecken sichtbar, die Unterseite ist dunkelbraun bis schwarz. Die Beine sind einfarbig beigebraun.<br \/>\nM\u00e4nnchen unterscheiden sich durch einen deutlich schmaleren Hinterk\u00f6rper und vergr\u00f6\u00dferte Chelizeren. Auch geht die F\u00e4rbung mehr ins rotbraune hinein.<\/p>\n<p>Verwechslungsm\u00f6glichkeiten sind v.a. mit <em>Linyphia tenuipalpis<\/em> gegeben, die eine Spur kleiner ist und auch warme Lebensr\u00e4ume bevorzugt. Desweiteren sind die erwachsenen Tiere schon etwas fr\u00fcher, von Juni bis Oktober, zu finden. In Zweifelsf\u00e4llen ist eine genaue Differenzierung nur durch eine mikroskopische Untersuchung der Geschlechtsorgane m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Geschlechtsreife Tiere der Gemeinen Baldachspinne treten von August bis Oktober auf. Paarungen finden in Mitteleuropa vor allem im September statt. Die M\u00e4nnchen halten sich zu dieser Zeit st\u00e4ndig im Netz der Weibchen auf. Zur Kopulation sitzt das M\u00e4nnchen ebenfalls in R\u00fcckenlage vor dem Weibchen und f\u00fchrt abwechselnd seine Taster (Pedipalpen) in die Geschlechts\u00f6ffnung (Epigyne) des Weibchens ein. Die Jungtiere \u00fcberwintern im Eikokon.<\/p>\n<p><em>Linyphia triangularis<\/em> ist pr\u00e4destiniert als Spinne des Jahres: sie ist nicht nur der h\u00e4ufigste Vertreter dieser prominenten Spinnenfamilie mit wunderbaren, leicht sichtbaren Deckennetzen, sie zeigt auch interessante biologische Aspekte: die Weibchen locken mit Sex-Pheromonen die M\u00e4nnchen ins Netz zur Paarung und die M\u00e4nnchen selbst zeigen ein als \u201emate guarding\u201c bezeichnetes Verhalten, bei dem sie selbst nach der Paarung noch einige Zeit beim Weibchen verbleiben, um es vor weiteren M\u00e4nnchen zu \u201esch\u00fctzen\u201c \u2013 d.h. dabei soll sichergestellt werden, dass es zu keiner weiteren Paarung mehr kommt, damit wirklich die eigenen Gene an den Nachwuchs weitergegeben werden.<\/p>\n<p>Auch in diesem Jahr ist der Herbst die geeignete Jahreszeit, der Spinne des Jahres zu begegnen. Die Netze kann man zuerst entdecken und dann lohnt es sich auf jeden Fall, einen genaueren Blick hineinzuwerfen!<\/p>\n<h4>Kontakt \u00d6sterreich und Deutschland<\/h4>\n<p>Mag. Christoph H\u00f6rweg, Naturhistorisches Museum Wien, 3. Zoologische Abteilung, Burgring 7, A-1010 Wien, \u00d6sterreich<br \/>\nchristoph.hoerweg(a)nhm-wien.ac.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europ\u00e4ische Spinne des Jahres 2014<\/p>\n<p>Die Gemeine Baldachinspinne \u2013 <em>Linyphia triangularis<\/em> (Clerck 1757)<\/p>\n<p>Die Gemeine Baldachinspinne <em>Linyphia triangularis<\/em> (Clerck 1757) geh\u00f6rt zur Familie der Baldachinspinnen (Linyphiidae). 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